Effekt von Nudging auf den

Gemüsekonsum von Kindern

Bachelor Thesis
Patrik F. Zurlinden
Bachelor of Science Ernährung und Diätetik, 2013 Basel, 26. Juli 2017

Gemüsekonsum und Gesundheit

Gemüse besitzen in der Ernährung des Menschen eine wichtige Rolle. Sie sind Lieferanten von Nährstoffen, nicht nutritiven Lebensmittelinhaltstoffen wie sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, und ihnen wird eine wichtige Rolle bei der Senkung von Erkrankungsrisiken zugesprochen. An dieser Stelle wird anhand ausgewählter Studien aufgezeigt, welche Veränderungen in der Inzidenz bestimmter Krankheiten zu erwarten sind. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Empfehlungen des Gemüsekonsums berechtigt, und eine ernährungs- sowie gesundheitspolitische Förderung des Gemüsekonsums ist wünschenswert. (Boeing, H., et al. 2012). Übergewicht und Adipositas Die Resultate der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2002 zeigt, dass 29% der Schweizer Bevölkerung übergewichtig (BMI 25 - 29.9 kg/m2) und 8% adipös (BMI 30+ kg/m2) sind. Längsvergleiche der Schweizerischen Gesundheitsbefragungen von 1992 bis 2002 zeigen eine Zunahme des zu hohen Körpergewichts. (Eichholzer, Bernasconi, Jordan, & Gutzwiller, 2005) Eine Querschnittsstudie über einen Zeitraum von 30 Jahren (1977 bis 2009) zeigt, dass Übergewicht von Kindern einen Anstieg von 9.3% auf 20.9% verzeichnet, der Anteil adipöser Kinder stieg von 1.2% auf 5.4%. (Ledergerber & Steffen, 2011) Damit Übergewicht zustande kommt, braucht es eine über dem Energieverbrauch liegende Energiezufuhr. Gemüse und Obst haben im Vergleich zu anderen Lebensmitteln ein grösseres Nahrungsvolumen in Relation zum Energiegehalt. Somit können über das Nahrungsvolumen Sättigungseffekte eintreten, ohne viel Energie aufzunehmen. (Prentice & Jebb, 2003) Wang et al. (2003) zeigt, dass übergewichtige Kinder einen höheren Fett- und einen geringeren Gemüse- und Obstkonsum haben (S.14). Gewichtsverluste wird in der Interventionsstudie von Ledikwe et al. (2006) mit verringerter Energiedichte in Zusammenhang gebracht (S.1362-1368). Somit ist eine Erhöhung des Gemüse- und Obstkonsums eine geeignete Massnahme zur Gewichtsabnahme und anschliessender Gewichtsstabilisation. (Rolls, Ello-Martin, & Tohill, 2004) Somit kann durch Erhöhung des Gemüse- und Obstverzehrs eine mögliche Evidenz zur Gewichtsstabilität aufgezeigt werden. Im Jahr 2012 sind 18% der Schweizer Bevölkerung mit Hypertonie betroffen. Davon sind es 18.5% Männer und 17.3% Frauen im Alter von 15 bis über 75 Jahren. Seit 1992 stieg die Anzahl der Schweizer und Schweizerinnen welche mit Hypertonie betroffen sind um 5%. (BFS, 2014) Die Europäische Gesellschaft für Bluthochdruck sieht die Erhöhung des Verzehrs von Gemüse und Obst als wichtige

Lebensmittelmassnahme bei Personen mit wenigen Risikofaktoren für kardiovaskuläre Krankheiten und leicht erhöhtem Blutdruck (Mancia et al., 2014). Die INTERSALT-Studie hat über 10'000 Personen aus 52 Zentren in 32 Ländern untersucht. Ihre Daten zeigen eine Beziehung zwischen der Zufuhr von Kalium (aus einer Gemüse und Obst reichen Ernährung) und der Senkung des Blutdrucks (Stamler, 1997). Die DASH-Studie ist eine randomisierte, achtwöchige, Interventionsstudie mit 459 Hypertonikern, welche durch ein gemüse- und obstreiche Ernährung eine Blutdrucksenkung verzeichnet (Appel et al., 1997). Eine Interventionsstudie aus England über sechs Monate bestätigt die Ergebnisse der DASH- Studie (John, Ziebland, Yudkin, Roe, & Neil, 2002). Diese Ernährungsform hat auch eine bei Kindern und Jugendlichen blutdrucksenkende Wirkung (Moore et al., 2005). Die wichtigste Manifestation der Arteriosklerose sind die Koronaren Herzkrankheiten (KHK) und somit die grösste Ursache für Herz-Kreislauf-Krankheiten (Boeing, H., et al. 2012). In der Meta- Analyse von Dauchet et al. (2006) wird anhand neun Kohortenstudien aufgezeigt, dass durch den Gemüseverzehr das Risiko für KHK verringert wird (S.2588-2593). Eine weitere Meta- Analyse, die 13 Kohortenstudien mit einbezieht zeigt, dass Personen die weniger als drei Portionen Gemüse und Obst pro Tag verzehren, ein höheres KHK-Risiko aufweisen als Personen, die fünf oder mehr Portionen Gemüse und Obst pro Tag verzehren (He, Nowson, Lucas, & MacGregor, 2007). Diese Datenlage führt zu den Empfehlungen des Gemüse- und Obstverzehrs für die Reduktion des KHK-Risiko, welche von der WHO, der European Society of Cardiology und der American Heart Association ausgesprochen wird. (Agostini et al., 2008; Bazzano, 2005) Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in der Schweiz, darunter fällt auch der Schlaganfall. Im Jahr 2014 verzeichnet die Schweiz 14'178 Fälle von Schlaganfall, davon sind 7'313 Männer und 6'865 Frauen betroffen. (BFS, 2014) In einer Meta-Analyse, die sieben Kohortenstudien einbezieht, senkte sich das Schlaganfallrisiko um 3% pro Portion Gemüse pro Tag (Dauchet, L., et al. 2005). Eine weitere Meta-Analyse mit neun Kohortenstudien zeigte, dass bei einem Gemüse- und Obstkonsum von drei bis fünf Portionen pro Tag ein signifikant geringeres Schlaganfallrisiko besteht (He, Nowson, & MacGregor, 2006). Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in der Schweiz. Von 2008 bis 2012 sind 38'500 Personen jährlich neuerkrankt und 16'000 Personen sterben jährlich an Krebs. (Arndt, 2016; BFS, 2015) Die wichtigsten Risikofaktoren sind neben dem Alter Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, hormonelle Faktoren, körperliche Inaktivität und auch die Nahrungsaufnahme (Boeing, H., et al. 2012). Eine Zusammenstellung von Ergebnissen epidemiologischer Studien, die den Zusammenhang zwischen Gemüse- und Obstkonsum, mit dem Auftreten von Krebskrankheiten untersuchen, zeigt eine Übereinstimmung hinsichtlich der Senkung des Krebsrisikos. Diese Erkenntnisse führen in den vereinigten Staaten zu der "Fünf-am-Tag" Kampagne, welche das Ziel hat, die Krebskrankheiten zu senken. (Block, Patterson, & Subar, 1992) Der Expertenbericht vom

World Cancer Research Fund, berücksichtigt die Datenlage bis anfangs 1990. Gemüse und Obst wird mit einem Präventionspotential von 23% zu den wichtigsten krebspräventiven Faktoren gezählt. (Wiseman, 2008)

Literatur

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