Effekt von Nudging auf den

Gemüsekonsum von Kindern

Bachelor Thesis
Patrik F. Zurlinden
Bachelor of Science Ernährung und Diätetik, 2013 Basel, 26. Juli 2017

Ernährungspsychologie

Nudging hat durchaus seine Grenzen, besonders in der Förderung einer gesunden Ernährung. Die Ernährung beinhaltet viele psychologische Aspekte, welche in der Abbildung drei aufgeführt sind. Biologische und pädagogische Mechanismen, welche die Entwicklung des kindlichen Essverhaltens steuern, sind sehr komplex. Einige dieser Mechanismen werden in diesem Kapitel vertieft.

Abbildung 1: Zentrale Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Essverhaltens (Kersting, 2009, S.67)

Die genetische Süsspräferenz ist eine angeborene Vorliebe für die Geschmacksqualität süss. Alle Neugeborenen auf dieser Welt mögen süsse Nahrungsmittel und lehnen saure, stark salzige und bitter ab. Es wird vom Sicherheitsgeschmack der Evolution gesprochen. Nichts Süsses auf dieser Welt ist gleichzeitig giftig. Die perinatale Geschmacksprägung erklärt, dass bestimmte Geschmacksrichtungen von Neugeborenen durch das Essverhalten der Mutter während der Schwangerschaft mitgeprägt werden. Aromastoffe von verzehrten Speisen der Mutter gelangen indirekt über Nabelschnur und Fruchtwasser zum Fötus und dieser lernt den Geschmack kennen und bevorzugt diese bekannten Geschmackseindrücke. Nach der Geburt gelangen ebenfalls Aromastoffe der verzehrten Speisen über die Muttermilch zum Säugling. Daher ist die Neophobie bei gestillten Kindern geringer und die Akzeptanz für pflanzliche Lebensmittel höher. Das evolutionsbiologische Programm hat verschiedene Aspekte. Der «mere exposure effect» hilft bei der Ausbildung von Vorlieben durch wiederholten Kontakt mit neuartigen Geschmackseindrücken. Wird eine neue Geschmacksrichtung öfters versucht, beginnt der Mensch diesen Geschmack zu mögen.

Das zentrale biologische Sicherheitsprinzip ist dafür verantwortlich, dass nur bekannte Lebensmittel gegessen werden. Somit werden negative Folgen nach dem Verzehr von einem Lebensmittel vermieden. Während der mere exposure effect dazu führt, bekannte Speisen wiederholt zu essen, beugt die spezifisch-sensorische Sättigung der einseitigen Ernährung und einem Nährstoffmangel vor. Beide biologischen Prinzipien zusammen schaffen den Ausgleich, maximieren zum einen die Sicherheit der Lebensmittelauswahl und minimieren zum anderen das Risiko einer Mangelversorgung. Die Aversionsbildung tritt auf, wenn ein Lebensmittel verzehrt wird, welches z.B. verdorben ist und zeitnahe eine unangenehme Konsequenz auftritt wie Erbrechen oder Übelkeit. Durch die unangenehmen Erfahrungen entsteht eine Aversionsbildung, welche den Menschen vor einer Wiederholung schützt. (Kersting, 2009, S.66-76) Der Lernprozess ist zum einen der soziale Kontext, welcher bei der Entwicklung des Essverhaltens und der Ausbildung von Geschmacksvorlieben Einfluss hat. Ein weiteres wichtiges Lernprinzip für Kinder ist das Imitationslernen oder das Beobachtungslernen. Auch das Lernen durch positive Verstärkung gehört zum Lernprozess. Isst ein Kind z.B. Schokolade, erfährt es neben dem angenehmen Geschmack eine positive, physiologische Wirkung. In der Folge kann durch den Anblick allein der Wunsch nach Verzehr ausgelöst werden.

Abbildung 2: Motive für Essentscheidung ändern sich. Der Verlauf von Innen- und Aussenreizsteuerung von Geburt bis ins Alter. (Eugster, 2012, S.63)

Innenreizsteuerung ist der Idealzustand und trifft zu Beginn des Lebens ein, wobei Essen fast ausschliesslich an Hungergefühle gekoppelt ist. Ein Baby schreit, wenn es Hunger hat und beendet die Mahlzeit, wenn es satt ist. Aussenreizsteuerung sind äussere Einflüsse (Bilder, Werbung, Portionen-, Verpackungsgrössen, Essenszeiten, etc.), welche in der Zeit der Überflussgesellschaft und mit dem Alter die Innenreizsteuerung unterdrücken. Eine optische Darstellung vom Verhalten der Innen- und Aussenreizsteuerung ist in der Abbildung vier dargestellt. Die Steuerung von Hunger und Sättigung ist ein hochkomplexes Thema; viele Informationen aus Magen und Gehirn beeinflussen dieses System. Einige sind inzwischen erforscht und dazu gehört das zentrale Nervensystem, die Magendehnung, der

Blutzuckerspiegel, der Süssfaktor, die Umgebungstemperatur, die Uhrzeit, soziale Faktoren, sowie der Geschmack und die Vorlieben. (Eugster, 2012, S.63-64)

Literatur

Kersting, M. (Ed.). (2009). Fachbuchreihe der Ernährungs-Umschau. Kinderernährung aktuell: Schwerpunkte für Gesundheitsförderung und Prävention (1. Aufl.). Sulzbach (Taunus): Umschau Zeitschriftenvlg Breidenstein.

 

Eugster, G. (2012). Kinderernährung gesund & richtig: Expertenwissen und Tipps für den Essalltag (2. Aufl.). München: Elsevier, Urban & Fischer. 

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Patrik F. Zurlinden

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